Tagtäglich vertrauen wir anderen Menschen unser Leben an: Wir vertrauen dem Mechatroniker und KFZ-Mechaniker, der die Bremsen am Wagen repariert hat, dem Lebensmittelverkäufer, der uns Gemüse teurer als Bio-Ware verkauft, oder Autofahrern, wenn wir bei Grün eine Straße überqueren. Vertrauen hilft uns, die Risiken des Alltags zu bewältigen und die sozialen Komplexitäten im Umgang mit anderen zu reduzieren. Vertrauen ist der soziale Kitt unserer Gesellschaft (Enste/Suling, 2020).
Jeder ökonomischen Transaktion liegt ebenfalls Vertrauen zugrunde. Auch wenn die technischen und juristischen Spezifikationen in Verträgen Tausende von Seiten umfassen – vollständige Sicherheit können sie nicht bieten wie ganz aktuell der Fall Wirecard zeigt, einem ehemaligen Dax-30 Unternehmen, dass Aktionäre und Kunden im großen Stil betrügen konnte. Vollständige Verträge würden viel zu hohe Transaktionskosten für die Implementierung, permanente Kontrolle und Sanktionierung hervorrufen. Dies gilt umso mehr in Zeiten des ständigen Wandels, wie der sogenannten VUCA-Welt. Zugleich schafft die Digitalisierung zum einen mehr Möglichkeiten der Kontrolle, Überwachung und Steuerung; zum anderen erfordert sie mehr Vertrauen und Verantwortungsdelegation, damit die Potenziale der Mitarbeiter sinnvoll genutzt werden können.
Vor diesem Hintergrund fragen wir: Welche Rolle spielt Vertrauen in Krisenzeiten? Wie lässt sich Vertrauen aufbauen und was bewirkt es in Unternehmen? Lohnt sich Vertrauen wirklich, oder ist Kontrolle nicht doch besser?
Studien zeigen, dass eine ausgeprägte Vertrauenskultur in Unternehmen positive Effekte hat:
- Arbeitszufriedenheit: Mitarbeiter, die ihrem Unternehmen vertrauen, zeigen eine höhere Zufriedenheit und Bindung.
- Leistung und Engagement: Vertrauen fördert das Engagement und die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter.
- Innovation und Kreativität: In einem vertrauensvollen Umfeld sind Mitarbeiter eher bereit, innovative Ideen einzubringen und kreative Lösungen zu entwickeln.
- Resilienz und Veränderungsbereitschaft: Vertrauen stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Veränderungen und erleichtert Anpassungsprozesse.
Um eine Vertrauenskultur zu etablieren, sollten Unternehmen folgende Maßnahmen in Betracht ziehen:
- Reputation stärken: Ein positives Unternehmensimage signalisiert Kompetenz und Zuverlässigkeit.
- Corporate Social Responsibility (CSR): Gesellschaftliches Engagement zeigt Integrität und Verantwortungsbewusstsein.
- Transparente Personalpolitik: Offene Kommunikation und faire Behandlung der Mitarbeiter fördern Wohlwollen und Vertrauen.
- Wertemanagement implementieren: Klare Werte und ethische Standards schaffen Orientierung und Vertrauen.
Insgesamt zeigt sich, dass Vertrauen in Unternehmen nicht nur ein moralischer Wert, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Eine gezielte Förderung von Vertrauen kann dazu beitragen, die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt erfolgreich zu meistern.
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Quelle
Zum ausführlichen Report: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2020/IW-Report_Vertrauen_in_Unternehmen.pdf